Mein Kampfkunstsystem "Dao of Tongshidai Wushu" - Unsere Martial-Arts Methode
 
Meine Ausführungen hierzu entstammen teilweise Niederschriften / Anmerkungen von Dan INOSANTO und meiner mehr als 25-jährigen Erfahrung auf dem Gebiet der asiatischen Kampfkünste. Auch möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass manches, was ich hier niederschreibe, nicht neu von mir erfunden ist, sondern mit Bestimmtheit schon mal gesagt oder geschrieben wurde.

Im Laufe meiner 25-jährigen Kampfsportzeit kreierte ich eine eigene Kampfkunstmethode.
An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass ich nicht einen Kampfstil erfunden habe, denn das haben zig andere vor mir bereits vor vielen, vielen Jahren getan. Ich habe mir vielmehr aus anderen asiatischen und europäischen Kampfkunststilen oder Kampfsportarten Techniken herausgenommen und diese miteinander verbunden, um sie dann methodisch in Anwendung zu bringen.
Man kann es „den Weg für eine zeitgemäße Kriegs- oder Kampfkunst“ nennen.
Der Grundgedanke ist, jeweils entsprechend der Kampfsituation zu reagieren und entsprechende Techniken anzuwenden.

Die Kampfsituationen benenne ich wie folgt:

  1. Die normale Kampfsituation. Hier können beide Kämpfer mit Tritt- oder Handkombinationen agieren und reagieren.
  2. Der InFight. Hier können Techniken zur Anwendung kommen wie kurze Haken, Ellbogen- und Knietechnniken, aber auch Wurftechniken werden mit einbezogen.
  3. Der Bodenkampf. Hier kommen Ringertechniken, Hebel-, Würge- und andere Techniken zur Anwendung.

Ich denke, dass es im realistischen Kampf immer um den Ausgang in der Bodenlage geht.
Jeder Widersacher wird bemüht sein, den Kämpfer zu Boden zu bringen und kampfunfähig zu machen bzw. ihn durch eine Technik am Boden zu fixieren. Kann man es verhindern ist es toll! Aber realistischer ist es, sich mit der Situation auseinander zu setzen und sie dann auch zu meistern. Am Boden geht es weiter!

So entstand die Idee, eine eigene Kampfmethode/Kampfrichtung oder vielleicht auch ein eigenes Kampfsystem zu kreieren. Vielleicht habe ich dies aber auch schon vor 25 Jahren mehr oder minder unbewusst geschaffen!
Vorbilder wie das Kempo von Prof. Dr. Sifu Tse - Prinz Ganjuuryn Dschero Khan Chen Tao Tse - Gerald Karel Meijers, das Jeet Kune Do von Bruce Lee, das heute praktizierte Free Fight und die wohl härteste Kampfsportart - das Muay Thai - waren maßgeblich involviert und werden auch bei uns trainiert. Durch den Einsatz der chinesischen Philosophie als theoretischen Bestandteil für das Erlernen der Kampfmethode wird das ganze harmonisiert. Körper und Geist werden in Einklang gebracht und unterliegen den Gesetzmäßigkeiten der Natur, welche in ständiger Bewegung ist. Diese Kampfmethode wird ständig angepasst, ist dem zu Folge zeitlos und an keine Regularien der einzelnen Kampfkunststile gebunden.

Wahrscheinlich ist, dass die Entwicklung hin zu einem Kampfsystem tendiert!
Ein System (von griechisch σύστημα, systema[si'esdema], "das Gebilde, Zusammengestellte, Verbundene") bzw. ein Kampfkunstsystem ist eine Gesamtheit von Kampfelementen/Kampftechniken, die so aufeinander bezogen sind und in einer Weise wechselwirken, dass sie als eine aufgaben-, sinn- oder zweckgebundene Einheit angesehen werden können und sich in dieser Hinsicht gegenüber der sie umgebenden Umwelt abgrenzen.
Systeme allgemein organisieren und erhalten sich durch Strukturen. Struktur bezeichnet das Muster (Form) der Systemelemente und ihrer Beziehungsgeflechte, durch die ein System funktioniert (entsteht und sich erhält).

Aber das soll jeder für sich selbst herausfinden! Auf alle Fälle ist unsere eine Methode oder ein System, welches in ständiger Bewegung ist und sich immer mehr vervollkommnet.

Wenn man es nun aus der vorangegangenen Sicht betrachtet, handelt es sich um ein Kampfkunstsystem nach dem Muster des JKD. Es ist gegenüber klassischen Kampfkunststilen ungebundener, es gibt keine Regularien (regelmäßig abwickelnde / wiederkehrende Angelegenheiten) und auch keine festgelegten Technikfolgen, welche einen Stil bilden. Es gibt aber sehr wohl eine Basis, ein Gerüst, das den Anfang bildet - den sogenannten Weg (DAO)! Diesen zu beschreiten und zu erkennen obliegt einem guten Tongshidai Wushu-Kämpfer selbst. Ganz deutlich zu sehen ist dies bei unseren 30 Po Chi’s nach dem Vorbild des JKD (entwickelt von Shifu A. Zimmermann). Hier gibt es nur die Basis, alles andere wird dann situativ durch den Martial Arts-Kämpfer entschieden und entsprechend ausgeführt. Es wird deutlich: Unser Tongshidai Wushu ist vergleichbar mit der Methode des JKD. Es ist Freiheit. Freiheit im Sinne, dass es alles besitzt und doch von nichts besessen ist. Das heißt, es besitzt "Techniken" von vielen Stilen und ist doch nicht an dessen Regeln gebunden. Diese Freiheit heißt aber nicht, dass man tun und lassen kann, was man will. Eine gewisse Struktur des Trainings und Erlernens muss schon vorhanden sein, ohne in dogmatische Formen- und Partnerübungen zu verfallen. Auch an die einzelne Doktrin (Lehrsatz, Lehrmeinung) der mit einfließenden Kampfstile muss sich gehalten werden, man darf sie nicht verletzen, da sonst die gesamte Technik nicht voll zur Anwendung kommen kann (Eine Muay Thai Technik muß zum Beispiel auch als Muay Thai Kämpfer ausgeführt werden).

Bruce sagte hierzu treffend: „Ein Stil darf nie eine Bibel sein, deren Prinzipien und Gesetze niemals verletzt werden dürfen“. „Die Kampfkunst ist, wie das Leben selbst, im Fluss, in ständigen aryhthmischen (Unregelmäßigkeit in einer sonst rhythmischen Bewegung) Bewegungen, in ständiger Veränderung begriffen.
Mit diesen Veränderungen zu fließen, ist sehr wichtig“.
(Dan Inosanto)

Wer unsere Kampfmethode „DAO of Tongshidai Wushu – Shifu Andreas Zimmermann“ richtig verstanden hat, der weiß, dass er in erster Linie an ihrer befreienden Kraft interessiert ist, die es vermittelt, wenn sie als Spiegel zur Selbsterkenntnis eingesetzt wird.

„Wissen in der Kampfkunst bedeutet letztendlich Selbsterkenntnis.“ (Bruce Lee)